Mein Freund der Giga Profi Bennie Lindberg
Interview mit dem Giga-Profi Bennie Lindberg
- ? | Ist Gigathlon ist die härteste Herausforderung, der sich ein Sportler stellen kann
- Stimmt. Die Idee stammt aus der Schweiz. Dort hat der erste Gigathlon im Rahmen der Expo 2002 stattgefunden und wurde vom olympischen Verband unterstützt. Da haben wir die Schweiz einmal umrundet. Das sind rund 1500 Kilometer, die wir in fünf Disziplinen zurückgelegt haben: 795 Kilometer Radfahren, 303 Kilometer Mountainbiking, 25 Kilometer Schwimmen, 173 Kilometer Inlineskating und 181 Kilometer Laufen. Und das Ganze in sieben Tagen.
- ? | Muss man nicht ganz schön verrückt sein, um so etwas zu machen
- Das sehe ich ganz anders. Ich finde eher Menschen, die gar keinen Sport machen, ziemlich verrückt.
- ? | Wie kommt man zu so einer Einstellung
- Ich mache seit 20 Jahren Leistungssport. Als gebürtiger Finne bin ich mit den typischen finnischen Sportarten wie Eishockey oder Langlaufen aufgewachsen. Als 20 jähriger habe ich den Triathlon entdeckt. Ein paar Jahre später wurde ich dann Profisportler. Bis ich einen schweren Unfall hatte, der meine Karriere beendete. Da habe ich angefangen, Sportler zu coachen. Das macht mir sehr viel Spaß.
- ? | Mittlerweile sind Sie wieder voll fit. Wie viel Zeit widmen sie dem aktiven Sport
- Das kommt ganz darauf an, was ich an organisatorischer Arbeit zu tun habe. Ich trainiere in der Woche zwischen 10 und 40 Stunden.
- ? | 10 bis 40 Stunden Laufen, Rad fahren, Schwimmen, Inlieskating und Nordic Walking – Was reizt Sie an dem neuen Trendsport mit Stöcken
- Für mich als Finne ist das eine ziemlich alte Sache. Bei uns haben die Langläufer das schon Mitte des letzten Jahrhunderts gemacht. Wie in Deutschland gibt es auch in Finnland im Sommer keinen Schnee. Bei uns haben die Langlöufer mit Stöcken trainiert, um sich für den Winter fit zu machen. Um die körperlichen Belastung des Skilaufs zu simulieren, sind die in schwieriges Gelände gegangen - sind im Sumpf oder im Gebirge gelaufen.
- ?| Nordic Walking ist also ein alter Hut, der gerade seinen Hype erfährt
- Im Prinzip ja. Man muss allerdings wissen, dass die Nordic Walker bis vor wenigen Jahren diese typischen schulterhohen Laufstöcke benutzt haben. Mitte der neunziger Jahre hat dann ein Landsmann von mir die tolle Idee gehabt, die Stöcke zu verkürzen. Die haben einen entscheidenden Vorteil gegenüber den langen: man kann sie besser dem Gehrythmus anpassen. So ist dann Nordic Walking entstanden. Und sie hat Finnland mittlerweile überrollt.
- ? | Haben Finnen eine andere Einstellung zum Sport als Deutsche
- Das kann man schon sagen. Wir sind naturverbundener als die Deutschen. Und viel unkomplizierter. In Finnland geht man einfach raus nd macht irgend etwas. In Deutschland wird um den Sport immer so ein Wind gemacht. Dabei geht es doch nur um Bewegung. Begewung, Bewegung - egal ob es Walking oder Jogging ist.
- ? | Viele Leute haben ein Problem, Walking mit zwei Stöcken als richtigen Sport zu akzeptieren.
- Das liegt daran, dass die Menschen den Stock schon seit Urzeiten zum Gehen mitnehmen. Allerdings nicht, um sich fit zu machen. Der Stock diente der Erleichterung. Weil man damit mehr Muskeln bei der Fortbewegung einsetzen kann. Ich bin mir sicher, dass auch Ötzi mit einem Stock unterwegs war.
- ? | Was macht Walking dann so faszinierend - auch für einen Supersportler wie Sie
- Also ehrlich gesagt: Als mir zum ersten Mal vor einigen Jahren Nordic Walker begegnet sind, da habe ich erst mal gelacht. Einige Zeit später hat mir dann ein deutscher Freund Nordic-Walking-Stöcke gegeben und gesagt: Das musst du unbedingt probieren! Ich bin dann mit den Stöcken in den Wald gegangen. Dannach hatte ich einen richtigen Muskelkater. Ich dachte mir: Da muss ja wirklich was dran sein, an diesem Training. Ich habe Nordic Walking dann sehr bald in mein Trainingsprogramm eingebaut.
- ? | Woher kam der Muskelkater
- Mi Nordic Walking kann man sehr gut den Oberkörper mit einsetzen. Ich habe also beim Nordic Walking Muskulatur benutzt, die nicht so gut trainiert war.
- ? | Ein Manko, das alle Jogger und Radfahrer kennen: Der Oberkörper kommt zu kurz. Trainiert man den Körper mit Nordic Walking ähnlich effektiv wie beim Schwimmen
- Ja, aber nur solange man es richtig macht. Ich sage immer: Es reicht nicht, wenn man beim Spazierengehen Stöcke mitnimmt. Man muss effektiv die Armmuskulatur einsetzen.
- ? | Woher weiß man, dass man es richtig Macht
- Es gibt eine Faustregel, die einem hilft, das herauszufinden: Beim Gehen ohne Stöcke braucht man zehn Minuten für einen Kilometer. Mit Stöcken sollte man dies in neun Minuten schaffen. Dann hat man die Stöcke effektiv eingesetzt.
- ? | Ein Tipp worauf man als Anfänger achten sollte
- Da kann man eigentlich nicht viel falsch machen. Der Gehrhythmus beim Nordic Walking ist ein natürlicher Bewegungsablauf. Am besten läuft man erst mal los, lässt die Arme hängen und macht gar nichts mit den Stöcken, Dann macht man immer grössere Schritte und beginnt die Stöcke einzusetzen. Man sollte ssich nicht verrückt machen, wenn man diesen Rhythmus nicht gleich findet. Nordic Walking ist in erster Linie ein Gesundheitssport. Es geht nicht so sehr darum, wei man es macht, sondern dass man es macht. Nach 50 Metern kapiert eigentlich jeder, wie es funktioniert. Den Antrieb erreicht man, indem man die Hand streckt. Dabei kommt vor allem der Trizeps vom Oberarm zum Einsatz. Die Frau kann die Stöcke etwas vernachlässigen und vor allem die Beine trainieren. Under der Mann kann mehr den Oberkörper zum Einsatz bringen - den Bizeps wachsen lassen. Oberkörpertraining ist übrigens auch gut gegen Verspannungen, die man sich am Computer holt.
- ? | Gibt´s auch eine gute Nachricht für Männer und ihrer Problemzone Bauch
- Natürlich - mit Nordic Walking tut man auch was für die Ästätik.
- ? | Dennoch ist Nordic Walking für Sie in erster Linie ein Gesundheitssport
- Nordic Walking ist keine Wettkampfdisziplin, sondern eher ein Sport, mit dem man sich für alle anderen Sportarten in Form bringen kann. Weil man so viel Muskelmasse einsetzt. Idealerweise liegt der Puls zehn bis zwölf Schläge höher als beim zügigen Gehen. Man sollte danach das Gefühl haben: Ich habe etwas getan, ohne mich zu überanstrengen.
- ? | Bringt Nordic Walking etwas für die Seele und Geist
- Klar, es macht glücklich - wie alle aeroben Sportarten. Durch den Sauerstoffüberschuss gerät das Gehirn in den Alpha-Zustand. Man wird kreativer und ist gut drauf.
- ? | Wie würden Sie das Nordic Walking feeling beschreiben
- Es kommt ganz darauf an, was man daraus macht. Ich walke gerne im Herbst, wenn noch zu wenig Schnee zum Skilanglaufen liegt. Dann nehmen wir die Stöcke und laufen zwei bis drei Stunden querfeldein durch die Wälder. Sie kennen das vom Skifahren: Natürlich geht man auf die Piste, um die Abfahrt zu genießen. Aber genauso wichtig ist das Amiente, der Reiz der Gebirgslandschaft.
- ? | Gibt es ein ideales Gelände für Nordic Walking
- Es ist eigentlich ziemlich egal, wo man walkt. Ich bin mir aber sicher, dass einen schöne Natur drumherum den Genuss verdoppelt. Ich habe es schon überall ausprobiert, zuletzt auf Wüstenboden in Ägypten. Sonst bevorzuge ich Wälder und Wiesen. Oder den Strand. Da geht es auch sehr gut. Asphalt ist vielleicht nicht so empfehlenswert. Aber dafür hat man jetzt diese speziellen Gummipads, die man auf die Stockspitzen aufsetzen kann.
- ? | Wie sieht das ideale Nordic Walking training aus
- Man sollt mindestens eine halbe Stunde gehen. Wenn man das drei- bis viermal in der Woche macht, erreicht man schon zwei Drittel des optimalen Trainingseffektes. Und das Tolle an Nordic Walking ist, dass man sehr effektiv Fett verbrennen kann.
- ? | Sollte man einen Einsteigerkurs machen
- Echte Finnen können sich das sparen. Aber wer noch nie auf Langlaufskiern gestanden hat, sollte es sich durchaus überlegen. Anbieter findet man im Internet. Oder man fragt in einem Sportgeschäft nach.
- ? | Hilft ein Kurs Verletzungen zu vermeiden?
- Beim Nordic Walking kann man sich fast gar nicht verletzen - dank den Stöcken. Deswegen ist Nordic Walking ideal für Übergewichtige und Menschen, die Probleme mit Ihren Gelenken haben. Ich kenne viele Leute, die unter Osteoporose und Rheuma leiden. Die können nicht joggen aber nordic walken. Kein Problem. Eine tolle Sache auch für ältere Menschen, die im Winter draußen unterwegs sein wollen. Die fühlen sich mit den Stöcken auf dem Eis viel sicherer. Nicht zu vergessen die Frauen, die nicht so gerne allein im Wald gehen. Die wissen dass sie die Stöcke notfalls als Waffen einsetzen können.
- ? | Lassen wir mal den kriegerischen aspekt beiseite - was sollte man sonst über die Stöcke wissen
- Es kommt vor allem auf die Länge an. Die sollte 70 Prozent der Körpergröße entsprechen. Der Oberarm sollte in einem 90-Grad Winkel zum Unterarm angewinkelt sein, wenn man die Stöcke in der Hand hat.
- ? | Muss man sich undbedingt spezielle Nordic Walking Stöcke zulegen
- Das empfiehlt sich, weil die mit speziellen Schlaufen ausgestattet sind. Das ist sehr angenehm und man muss keine Handschuhe anziehen. Die Materialbeschaffenheit ist eigentlich nicht so von großer Bedeutung. Teleskopstöcke sind sinnvoll, wenn man sie zu zweit benutzt. Weil man sie unterschiedlichen Körpergrößen anpassen kann. Wenn man vorwiegend auf Asphalt läuft, sollte man keine Alu-, sondern Carbonstöcke verwenden, die federn besser und schonen die Gelenke - Und: kaufen Sie keine leichten Stöcke. Je schwerer die Stöcke, desto besser der Trainingseffekt.
- ? | Welche Schuhe empfehlen Sie
- Im Prinzip kann man jeden Schuh hernehmen. Joggingschuhe, Walkingschuhe, Wanderschuhe. Durch den Stockeinsatz werden die Gelenke sowieso 30 bis 40 Prozent weniger belastet als beim normalen Gehen.
- ? | Welche Schuhe sind ideal
- Walkingschuhe, wenn man auf hartem Untergrund läuft. Im Gelände sollte man Trekkingschuhe benutzen.
- ? | Wie sollte man sich anziehen
- Die meisten Anfänger machen den Fehler, dass sie zuviel anziehen. Sie vergessen, dass man beim Nordic Walking viel mehr schwitzt als beim Spatzierengehen. Mein Tipp: Führen Sie Buch über Ihr Nordic-Walking-Training. Schreiben Sie auf, wie warm es war und was Sie angehabt haben. Wenn Sie das ein paar mal gemacht haben, finden Sie das richtige Outfit für jedes Wetter.

